The Big Red Beer Wagon – die Miss Budweiser von MHZ

Was ist wohl das berühmteste Hydroplane, wenn nicht das berühmteste Rennboot aller Zeiten? Die Miss Budweiser des legendären Teamchefs Bernie Little kommt dem wohl am nächsten. Das knallrote Unlimited Hydroplane ist weit über die Grenzen der vereinigten Staaten hinaus bekannt und jeder Boots-Fan hat es schon einmal gesehen. Wir hatten die Ehre diese Legende im Supermaßstab 1:8 von MHZ-Powerboats zu testen.

22 Unlimited Hydroplanes trugen den Namen Miss Budweiser. Mit 43 Jahren ohne Unterbrechung zwischen 1963 und 2002 stellt sie das längste Sportsponsoring aller Zeiten dar. 22 World High Points Meisterschaften, 134 Siege und 230 Top-3-Ergebnisse in 354 Rennen sind ein Rekord für die Ewigkeit. Egal ob Bill Muncey, Chip Hanauer oder Dave Villwock – beinahe alle großen Namen griffen für Bernie Little in das Lenkrad der Miss Budweiser. Eine ausführliche Story über den legendären Teamchef finden sie in unserer H1 Unlimited Rubrik.

Seit 1986 wurden die Miss Budweiser Boote von Turbinen und nicht mehr von den donnernden V-12 Motoren angetrieben. Die so genannte T-1 gewann mit ihrem Fahrer Jim Kropfeld drei Rennen in Miami, Evansville und Las Vegas und den World High Points Titel. Sie war das erste Unlimited Hydroplane, bei dem eine F-16 Kabinenhaube den Fahrer schützte, so wie es heute Pflicht für alle Unlimiteds ist. Ihr Nachfolger, die T-2, wurde zu einem der erfolgreichsten Boote überhaupt. Kropfeld gewann 1987 fünf von sieben Rennen und 14 von 20 Heats, in denen sie gestartet war und wurde überlegen Meister.

Miss Budweiser in Action, Hydroplane rot Modell 1:8
Miss Budweiser in Action

Die T-3 debütierte 1989 und blieb bis einschließlich 2000 in Dienst, auch wenn das Team zwischenzeitlich 1994 die T-4, ein experimentelles Twin-Wing-Boot, ausprobierte, die allerdings nie wirklich gut funktionierte. Mit insgesamt 35 Rennsiegen gilt dieser Rumpf als der bisher erfolgreichste aller Zeiten.

Und genau dieses Boot sollte es werden, und zwar im großen Maßstab 1:8. MHZ Powerboats stellte uns freundlicherweise einen solchen Rumpf in Kohlefaser-Aramid-Bauweise, sowie die benötigte Hardware, Motor- und Servohalter, einen Dekorbogen und einen SSS 5694/1000 Motor zur Verfügung. Das Modell sollte an 8S betrieben werden, um zu zeigen, dass es auch mit überschaubarem Budget machbar ist, ansprechende Fahreigenschaften zu erzielen. Der 180-A-Fahrtenregler stammt aus dem Hause Alien Powersystem aus England, die beiden 4S-Akkus sind Industrieware.

Geliefert wird die Miss Budweiser wie bei MHZ üblich sauber verpackt in allerlei Schutzfolie in einem riesigen Karton. Das Modell ist mit 116 cm x 58 cm von stattlicher Größe und wiegt stolze 3250 g. Im Lieferumfang des Rumpfes enthalten sind neben dem hinteren Deckel und der Haupthaube der Heckflügel und die Uprights aus GfK. Passend zum 56 mm dicken SSS-Motor  gibt es bei MHZ einen Motorhalter, bei dem dieser mit Hilfe zweier Klemmringe im Modell gehalten werden. Auch dieser stand zur Verfügung.

Motor eingebaut in unlackiertem Rumpf
Der Einbau des Motors

Betrachtet man die Miss Budweiser von oben, fällt auf, dass das Cockpit und die Haube um 1,5 cm nach links versetzt sind. Da der Antrieb um 8 mm nach rechts versetzt eingebaut werden soll, führt das dazu, den Motorhalter auf dem Absatz der Cockpitmulde versetzt einbauen zu müssen.

Die ¼“ Flexwelle läuft in einem Teflonrohr in einem 10 mm starken Messing-Stevenrohr und endet in einem Edelstahl-Endstück. Dieses läuft in einem gleitgelagerten gefrästen Aluminium-Strut von MHZ. Original endet das Endstück in einer ¼“ Propeller-Aufnahme. Da jedoch wesentlich mehr 3/16“ Propeller verfügbar und bereits in der Unlimited-RC-Werft vorhanden sind, wurden Aufnahmefläche und Gewinde auf 3/16“ abgedreht und mit dem entsprechenden Gewinde versehen. Das Stevenrohr wird 24 cm vom Heckspiegel nach vorne in einem leichten Bogen durch den Rumpfboden geführt und zum Motor hin ausgerichtet. Der knapp ein Kilo schwere Brushless-Motor wurde zuvor so im Rumpf fixiert, dass er genau im ermittelten Schwerpunkt 25 mm hinter dem Bogen der Schwimmer sitzt. Stevenrohr und Motorwelle wurden mit Hilfe eines gedrehten Stahldorns genau aufeinander ausgerichtet. Nachdem der Leichtlauf beider Komponenten gewährleistet war, konnten Stevenrohr und Motorhalter mit UHU Endfest 300 fest im Rumpf verankert werden. Der Motorhalter verfügt an der unteren Kante über eine Vielzahl an Bohrungen, durch die der Kleber fließen kann und der Halter so bombenfest sitzt.

Rechts neben dem Antrieb wurde das hervorragend gefertigte 1:8 Hydroruder von MHZ montiert. Der Blatthalter erinnert durch seine dreieckige Form an die Halter der Originale und passt so ideal in das Gesamtbild der Miss Budweiser. Das auf Hochglanz polierte Ruderblatt verfügt über zwei Wasseraufnahmen, eine auf jeder Blattseite. Das Kühlwasser wird über einen großen Anschlussnippel abgegeben.

Montage des Ruderhalters an der MHZ Miss Budweiser im Maßstab 1:8.
Das Ruder ist rechts angeschlagen

Nach der Hardware stand der Einbau des Lenkservos an. Das Graupner DES 807 BB MG sollte stehend unter der hinteren Abdeckung eingebaut werden. Hierzu wurde ein Kohlefaser-Servohalter mit UHU Endfest 300 im Rumpf einlaminiert. Das Lenkgestänge aus 1,5 mm Federstahldraht wird durch ein 8 mm starkes Messingrohr nach außen zum Ruder geführt. Die Abdichtung gegen Wasser übernimmt ein schwarzer Gummi-Faltenbalg. Etwas Fantasie benötigte die Kühlwasserführung im Modell. Ursprünglich sollte die Wasser-Aufnahme am Ruder die komplette Kühlwasserversorgung für Motor und Regler übernehmen. Nachdem allerdings der errechnete Gesamtstrom des Modells eher auf einen gehörigen Kühlwasserbedarf schließen ließ, wurden doch zwei separate Wasserkreisläufe installiert. Der zweite sollte das Wasser am hinteren Ende des linken Schwimmers über ein Staurohr aufnehmen und direkt an den Regler liefern. Beide Kühlkreisläufe sollten ihr erwärmtes Wasser dann am Heckspiegel wieder abgeben.

Der Alien Powersystems Regler fand seinen Platz auf einer 2 mm starken Kohlefaserplatte, die direkt vor dem Motor in den Tunnel einlaminiert wurde. So ist er im Falle eines ungewollten Wassereinbruchs weg vom Boden und etwas geschützt. Für eine bessere Gewichtsverteilung wanderten die beiden 4S Akkupacks in die Schwimmer. Um den Schwerpunkt perfekt einstellen zu können wurden edle Akkuschienen vom Modellbaupiraten verbaut. Diese sind so passgenau gefertigt, dass die obere Schiene absolut spielfrei verschoben und durch die beiden großen Löcher einfach demontiert werden kann. Die Akkus werden von Klettbändern am Platz gehalten. Die Akkuschächte erhielten zur Versteifung einen Rahmen aus 2 mm Kohlefaser. Aus ABS wurden neue Schachtdeckel gefertigt, die sich ideal an die Schwimmerform anpassen. Diese werden an den Ecken mit dem Karbonrahmen verschraubt und vor der Fahrt mit Cellpack wasserdicht verklebt.

Flügelwerk

Recht aufwendig war die Montage des Heckflügels. Die Uprights sind genau wie das Flügelelement selbst aus GfK laminiert. Ursprünglich sind am unteren Ende der Uprights rechteckige Kästen angeformt, deren Form im Deck ausgeschnitten werden soll. Dort werden die Uprights dann fest einlaminiert. Sicherlich eine sehr feste Verbindung, doch im Falle eines Überschlages besteht die Gefahr, dass das gesamte Heck aufgerissen wird. Da sollte eine Alternative her. Die Kästen wurden entfernt und das Innere mit Auftriebskörpern gefüllt. Der untere Bereich wurde von innen mit Balsa ausgekleidet und mit Endfest versiegelt. So entstand ein 2 mm breiter Schlitz, in den ein Alu-Winkel eingepasst wurde. Aus diesem Aluprofil wurde ein u-förmiger Halter gefeilt, der durch jeweils zwei Schlitze von innen durch das Deck geführt und mit diesem verschraubt und verklebt. Die Uprights werden nun also auf die Alu-Halter geschoben und mit je zwei Bohrungen versehen. Befestigt wird das Ganze mit zwei M4 Nylonschrauben. Überschlägt sich das Modell nun, reißt die Wucht die Schrauben ab und der Schaden wird minimiert. Für eine originalgetreue Optik wurden auch die Querstreben realisiert. Hierzu wurden 3 mm starke Aluminium-Rohre auf Länge abgeschnitten und an den Enden flach gequetscht. In die Flachstellen wurden 2 mm Löcher gebohrt und mit M2 Schrauben an Rumpf und Upright verschraubt. Auch hier entstehen durch das Quetschen Sollbruchstellen, die im Falle eines Unfalles abreißen und so größeren Schaden vermeiden.

Die Montage des Flügels forderte einiges an Hirnschmalz

Die Flügelfläche selbst ist um einiges zu breit und muss auf die korrekte Größe geschnitten werden. In die entstandenen Öffnungen an den Kanten wurden Sperrholzplatten eingesetzt, in die M4 Kunststoffmuttern eingesetzt sind. So entsteht eine sichere Verschraubung, die ebenfalls im Notfall nachgeben kann. In die vordere Bohrung im Upright wurde eine 8 mm Aluminium-Hülse eingesetzt, damit das Flügelelement beweglich ist. Zur Verstellung wurden die hinteren Löcher als Langlöcher ausgeführt und innen mit M4 Passscheiben aufgefüttert, um das GfK später nicht zu verdrücken.

Alles wieder raus

Nachdem nun alles an seinem Platz war und auch so funktionierte, wie gedacht, konnte alles wieder demontiert werden. Zumindest alles, was sich abschrauben lies, denn die noch weiße Bud sollte etwas Farbe bekommen. Die Idee, das Hydro selbst zu lackieren wurde schnell wieder verworfen, zumal ein befreundeter Lackierer, der im Hauptberuf sonst italienische Supersportwagen für einen bekannten deutschen Auto-Tuner lackiert, sich angeboten hatte, die Miss Budweiser im originalen Farbton zu Lackieren. Dank der netten Unterstützung von Bernie Little Jr. konnte der echte Farbton identifiziert werden und so begannen die Vorbereitungen für die Farbgebung.

Doch der Weg dorthin stellte sich als sehr steinig heraus. Spachteln, Schleifen, Spachteln, Schleifen, Spachteln, Schleifen und zum Abschluss noch einmal Spachteln und Schleifen…

Doch das Ergebnis rechtfertigte die viele Arbeit. Nach einigen Stunden des Lackierens und Polierens war es dann vollbracht – eine nahezu perfekte Lackierung,  gänzlich ohne Nasen oder Einschlüssen oder sonstigen kleinen Fehlern.

Als der Lack getrocknet war und lange genug geruht hatte, konnte mit dem Anbringen der Aufkleber begonnen werden. Auch das hielt noch einige Überraschungen bereit, denn der Große BUD-Aufkleber für den Heckflügel ist im MHZ Dekorbogen nicht enthalten. Auch die Namensschriftzüge von Chip Hanauer waren nicht darauf zu finden. Also wurde der hauseigene Schneideplotter bemüht und die fehlenden Aufkleber selbst hergestellt.

Die Bud nach dem Lackieren und Bekleben

Normalerweise wird die Unterseite eines Hydroplanes angeraut, um das Luftkissen unter dem Boot und den Luftstrom zu verbessern.Doch die schöne Lackierung sollte auch unter dem Boot nicht beschädigt werden und so wurde die Unterseite mit 3D-Kohlefaser-Designfolie beklebt. Die relativ raue Oberfläche der Folie hat den gleichen Effekt, wie ein Anrauen, sieht jedoch wesentlich schöner aus.

Nach dem Bekleben und einer schützenden Politur mit Hartwachs aus dem Automobil-Pflegebereich konnten alle Anbauteile wieder montiert werden.

Lange erwartet – die Erstfahrt

Nach fast einem Jahr Bauzeit war es im Herbst soweit – die Jungfernfahrt stand kurz bevor. Mit frisch geladenen Akkus und einem 51er Graupner K-Propeller ging es an unser bewährtes Vereinsgewässer, den Gurrensee bei Ulm. Nachdem alles verkabelt und abgeklebt war, konnte es endlich losgehen. Mit einem beherzten Zug am Gashebel nahm die Miss Budweiser ihre ersten Meter unter die Schwimmer.

Was für ein Fahrbild! Durch die Größe und das Gewicht sieht sie beinahe aus wie das echte Unlimited Hydroplane. Die Geschwindigkeit ist nicht zu hoch, aber für das Modell optimal. Nicht zu schnell aber auch nicht zu langsam. Das GPS im Boot hat dann eine Höchstgeschwindigkeit von 85 km/h gezeigt. Für dieses Scale-Boot völlig in Ordnung. Die Geschwindigkeit passte zum Fahrbild. Und die Bud fuhr sicher und ohne jegliche Neigung zum Abheben mit einem gut 2,5 m hohen Roostertail an den anwesenden Clubkameraden vorbei und zauberte ein breites Grinsen auf die Gesichter aller Beteiligten. Ideal für die Bud ist der 54 mm große, keramikbeschichtete Aluminiumpropeller aus dem Hause MHZ. Mit diesem stieg die Höchstgeschwindigkeit auf 90 km/h und die Temperaturen stiegen nur leicht an.

Fazit: Die MHZ Miss Budweiser ist ein hervorragendes Hydroplane im Maßstab 1:8. Doch mit der richtigen Lackierung wird sie zu einer Ikone dieses Sports. Auch wenn der Rumpf eigentlich für Verbrennungsmotoren konstruiert wurde und auch schon ein paar Jährchen auf dem Markt ist, sie macht mit einem modernen Brushless-Antrieb und LiPo-Zellen sehr viel Spaß. Und mit den richtigen Komponenten und einem auf Leichtlauf gebauten Antrieb ist auch eine im Verhältnis recht preiswerte Motorisierung mit 8S anstatt der üblichen 10S oder gar 12S möglich. Alles in allem ist die MHZ Miss Budweiser ein hervorragendes Modell.

  • MHZ Miss Budweiser T-3 Modell 1:8
    MHZ Miss Budweiser T-3 Modell 1:8